St. Peter-Ording "Das Dorf"

EINE HOMMAGE AN ST. PETER - DORF

Die Stöpen (1)als Symbol für St. Peter - Dorf
Die beiden weiß getünchten Stöpen im Schlafdeich(2) am Marktplatz sind ein wichtiges Symbol für St. Peter - Dorf und gleichzeitig zwei einladende Zugänge zu einem charmanten Ortskern. Stöpen entstehen immer in Verbindung mit dem Bau eines Deiches. Früher schützten sie die Bewohner und ihre Häuser. Stöpen und Deich kennzeichnen, dass die Menschen dahinter gemeinsam handeln können: Wer kräftig genug war, half beim Bau des Deiches, ebenso bei notwenigen Ausbesserungsarbeiten. Bei Gefahr einer Überflutung verschloss man die Stöpen mit dicken Holzbalken.

Die Landschaft vor den Deichen
Die Landschaft vor dem alten Deich ist nicht so geblieben, wie sie es vor dreihundert Jahren war. Die Menschen kultivierten sie, bauten Häuser, Straßen, Plätze, legten Gärten, Wiesen, Wälder und Äckerflächen an. Auch entstand ein neuer mächtiger, hoher geteerter Seedeich, das wichtigste Kulturgut der Küstenbewohner überhaupt, aber weiter nach Westen verschobenen.
Darauf lässt es sich gut spazieren, mit einem traumhaft weiten Blick über Salzwiesen, Stelzenhäuser, Dünen, Sandbank und Meer. Bei Ebbe ziehen Pferde und Reiter ruhig auf einem speziellen Weg durch die Salzwiesen, um sich dann draußen auf der Sandbank langsam in geheimnisvolle Karawanen von Centauren zu verwandeln. Bei Flut sieht man, besonders an Wochenenden, in der Ferne die bunten Schirme der Kitesurfer über dem Wasser tanzen, kraftvoll und elegant gelenkt am und gegen den Wind. Von April bis Oktober transportieren zwei Linienbusse stündlich Urlauber bis vor die Stelzenhäuser, direkt an den Südstrand.

Das Dorf, ein Ortsteil von St. Peter - Ording
St.- Peter - Dorf ist schon gut von weitem zu erkennen. Sobald der Besucher sich in Sichtweite des Kirchturms der Kirche Sankt - Peter befindet, ist er nah am Dorf oder bereits mittendrin. Er wird feststellen, dass die Stöpen wirklich nur als Symbol zu verstehen sind, denn der Ort ist durch sie hinausgewachsen: im Osten über die Bahnschienen bis an die Marsch, im Westen bis an die Nordsee, im Süden bis an die Grenze zu Böhl, im Norden bis in einen Teilbereich der Badallee hinein, der heute zur Einheit der attraktiven einmaligen Einkaufsmeile im Dorf gehört.

Schauen, schoppen, schlemmen
Im Dorf trifft Friesisches auf Modernes. Elegante Häuserfassaden harmonieren mit zauberhaft alten Reetdachhäusern. Da sind das neue, „Alte kleine Backhaus“, „Jan und Gret“, Fahrradständer, Parkbuchten für Autos, zauberhaft angelegte Gärten, heimelige Nebenwege, lauschige Sitzplätze, an den Gaststätten und Eisdielen eng zusammengestellte Tische und Stühle, selbstverständlich auch bequeme Strandkörbe. Die liebenswert angebotene Vielfalt in
den Schaufenstern, Geschäften und Gasthäusern verleiht der Einkaufsmeile eine Seele, die sich Urlaubern und Einheimischen gleichermaßen offenbart. Hier kann man in frischer Nordseeluft stundenlang entspannt schauen, schoppen und schlemmen. Von Jahr zu Jahr gibt es irgendwo etwas oder irgendjemanden Neues zu entdecken. Rund 1 000 kostenfreie Parkplätze warten darauf besetzt zu werden.

Die Dorfgemeinschaft
Gastronomen, Kaufleute und Dienstleister strengen sich gemeinsam an, ihre Kunden und Gäste umfassend zu versorgen. Viele von ihnen haben sich als „Interessengemeinschaft Dorf“ organisiert und sind gemeinsam mit einigen fördernden Mitgliedern seit Jahren konstruktiv für Andere da ist. (Deshalb wird das Wort Andere in diesem Beitrag auch groß geschrieben.) Dieser Mannschaft gelingt es durch ihr Tun, ihre Veranstaltungen und Informationsstrategien immer wieder, die zahlreichen Einzelinteressen zum Wohle der Gemeinschaft zu bündeln. Glaubwürdig bedenken die Mitglieder die eigenen Bedürfnisse, die der Urlauber aber auch die der Einwohner.
Da ist ein Miteinander, kein Gegeneinander. Der Andere ist wichtig. Vielleicht liegt das daran, dass die Nordfriesen über die natürliche Begabung verfügen interaktiv zu sein. Es ist für sie selbstverständlich, dem Gegenüber interessiert und freundlich zu begegnen, mit angemessenem Respekt und einer ihnen eigenen netten Gelassenheit. Sie schätzen die Meinung des Anderen, sein konstruktives Mitdenken und Handeln. Jeder Besucher kann diese Eigenschaften überall im Dorf spüren.


Aktivitäten der Interessengemeinschaft
Die vier Vorstandmitglieder der IG – Dorf pflegen das Verhalten vorbildlich. Drei Döntjes sollen dies verdeutlichen:Einer von den vielen Zweitwohnungsbesitzern im Dorf erfährt bei einem Klönschnack mit dem Chef der IG – Dorf, Clemens Grosse, dass dieser sein Sortiment verändern möchte. Darauf freut er sich, doch der Name „Speel man to“ passt nicht mehr so recht. Ad hoc schlägt sein Gesprächspartner vor: „Machen Sie doch „Söök man to“ draus!“ Und so geschieht es. Und so ist es jetzt gut.Das architektonisch eigenwillige, moderne und doch schon Kult – Bistro „täglich“ verlockt jeden Tag mit weit geöffneten Türen zum Eintreten. Darauf reagieren auch der Herr Oberstudiendirektor nebst Gattin aus Hessen. Das Ambiente der Gasträume mit ihrer Mischung aus englischem und friesischem Flair gefällt den beiden, ebenso die erstklassigen Getränkeangebote. Doch die außergewöhnliche Speisekarte verwirrt sie. Schließlich entscheiden sie sich zu bestellen, was den Anderen am Nachbartisch offensichtlich vorzüglich schmeckt. Frau Gattin verzehrt mit Genuss zum erstenmal in ihrem Leben einen hauszubereiteten Burger und ihr Mann die einmalige XXXL Currywurst. Das Gastronomenehepaar Bresemann lässt diese Wurst vom jungen Schlachtermeister Johst herstellen. Der Wirt holt sie täglich persönlich aus der feinen Schlachterei im Johst Edeka Frischemarkt ab. Der Fußweg dorthin beträgt nur zwei Minuten. Doch mitunter verlängert er sich um einige Zeit. Irgendwo trifft man, besonders morgens, ein anderes Vorstandmitglied der Interessengemeinschaft. Dann wird Wichtiges beraten, geklärt, voran gebracht.Übrigens, die beiden Hessen sitzen am nächsten Tag wieder im „täglich“, diesmal am Vormittag, draußen im Strandkorb und genießen das erstklassige Frühstück. Dazu ein Gläschen Champagner. So schmeckt Urlaub doppelt gut.Schnee an der Nordseeküste ist im Winter eher eine Ausnahme. Im Jahr 2009 will der Vorstand der IG - Dorf die Kinder zur Weihnachtszeit mit einem Schneevergnügen überraschen. Zunächst erwägt man ausführlich den Schnee in Kühllastern aus Bisbingen bringen zu lassen. Doch dann kauft man eine Schneemaschine, die in wärmeren Zeiten praktischer Weise auch zum Reinigen des Bürgersteigs eingesetzt werden kann. Wie sehr freuen sich die Großen schon in Gedanken auf die vielen glücklichen rodelnden Kinder. Die Feuerwehr will die „Frau Holle Aufgabe“ und Aufsichtspflicht übernehmen. Alles ist perfekt geregelt. Doch dann kommt es so ganz anders. An dem Tag, als die Schneemaschine erstmalig bedient werden soll, beginnt es zu schneien. Und - es schneit, mit einigen Pausen noch drei Monate.
Der Vorstand der IG - Dorf versteht es, Aktivitäten hundertprozentig rund zu machen. Wie schaffen sie das? Eine Antwort geben: das Dorffest, die Dorfzeitung und der Internetauftritt: Im Juli und August ist „Donnerstag – im Dorf“ ( kurz: „Do – i – Do“) ein bei Alt und Jung beliebter Treffpunkt mehrerer tausend Menschen. Es gibt Urlauber, die entwickeln in ihren Heimatorten Sehnsucht nach diesem Fest. Vielleicht sind es die Erinnerungen an die leckeren Bratwürste des Herrn Johst, das köstliche Eis bei Michel Angelo, den selbstgemachten Eierlikör nach Omas Rezept, die Herstellung von eigenem Bernsteinschmuck bei Boy Jöns, die unübertrefflich schmackhafte Gulaschsuppe von Jochen Rother vor seinem Olsdorfer Krug, an die in vielen heimeligen Ecken klingende Musik, an die bis 22 Uhr geöffneten Läden, u. u. u. ....Die Dorfzeitung erscheint zehn - bis zwölfmal im Jahr. Sie wurde 2009 vom Vorstand der IG – Dorf erfunden und passt in das Gefüge: klein aber fein und deshalb schon ganz groß!!!Alle Gewerbetreibenden können dort regelmäßig für ihre Produkte oder Veranstaltungen werben. Es werden auch kurze Erzählungen oder Gedichte gewürdigt oder man veröffentlicht eine längeren Bericht über sein Geschäft und wer möchte, auch über sich selbst. Es soll Dorfbewohner geben, die diese Hefte bereits in Mappen sammeln!!!Der Internetauftritt der IG-Dorf erfreut zunehmend die Nutzer. Man lädt sich Unmengen von Fotos herunter, verfolgt regelmäßig die kulturellen Veranstaltungen oder besondere Angebote im Dorf. Auch die aktuelle Dorfzeitung wird stets pünktlich veröffentlicht. Mitglieder der IG erhalten kostenlos die Möglichkeit auf einer Extraseite ihr Haus, sich selbst und ihre besonderen Angebote individuell darstellen zu lassen. Bei der Erstellung der Texte hilft ein vom Dorfleben tief beeindrucktes Rentnerehepaar. Beide bauten vor vier Jahren die Home - Page auf und betreuen und aktualisieren sie seitdem.
St. Peter - Dorf pflegt das Regionale, ehrlich und liebenswert. Gleichzeitig öffnet es sich dem Neuen, informiert und zielstrebig. Das erfordert regelmäßige Neukonzeptionen. Die Folge ist ein sympatischer Wandel. Er wird überall sichtbar. Doch die kleinen oder großen Meisterwerke gelingen nur im Verbund mit den Anderen und finden Erfüllung durch die Anwesenheit der Besucher.

Carin und Paul Körner


Erläuterungen zum Text
1 Eine Stöpe ist ein verschließbarer Deichdurchlass.
2 Ein Deich auf der Landseite eines neuen Deiches, die sogenannte zweite Deichlinie.


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